5 Gründe für Pikler-Pädagogik

Geschrieben am 17. Mai 2020 von johanna

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Als ich im Vortrag zur Vorbereitung auf den Pikler-SpielRaum saß, kamen mir mehrmals die Tränen. Die Art und Weise wie die Pikler-Pädagogin über Kinder und ihre Entwicklung sprach, berührte mich zutiefst. In meinem Studium der Erziehungs- und Bildungswissenschaften hatte ich mich bereits mit verschiedenen reformpädagogischen Richtungen beschäftigt, aber so eine Achtung vor Menschen hatte ich zuvor noch bei keinem/keiner Pädagogen/Pädagogin gesehen.

Es schmerzt mich zu sehen, wie achtlos die Gesellschaft oft handelt, ohne die Bedürfnisse von Kindern zu beachten. Unsere Gesellschaft fördert keine Sichtweise von einer besonderen Bedeutung der frühen Jahre: Kinder sollen möglichst schnell selbständig werden und von den Eltern abgelöst werden. Eltern wird es in unserer Gesellschaft nicht gerade leicht gemacht, ihre Kinder in einer Weise zu begleiten, die ihnen genügend gemeinsame Ruhe- und Entdeckerzeiten gibt. Eltern werden kaum entlastet, um ihren Kindern in der Entwicklung die benötigte Zeit zu schenken.

Die folgenden fünf Gründe sind Aspekte, die ich in den letzten acht Monaten an der Pikler-Pädagogik schätzen gelernt habe. Vielleicht bist du mit der Frage herausgefordert, wie du einerseits deinem Kind möglichst viel Freiheit in seiner Entwicklung geben und andererseits effektiv Grenzen setzen kannst? Oder: Welche Möglichkeiten gibt es Machtkämpfe mit meinem Kind zu umgehen? Wie begleite ich die Emotionen meines Kindes am besten? Ich habe viele hilfreiche Antworten für uns als Familie gefunden und möchte dir daher hier darüber erzählen. In zukünftigen Beiträgen würde ich gerne noch spezifischer auf einzelne Punkte eingehen.

  • Kinder werden in ihrer Integrität nicht verletzt. Es wird in keiner Weise über sie "drüber" gefahren. Machtkämpfe werden vermieden. Dies bedeutet andere Wege zu finden, auf herausforderndes Verhalten zu reagieren – Wege die im Endeffekt die Nerven aller Beteiligten schonen. Zur Integrität gehört auch, dass der Erwachsene dem Kind authentisch begegnet und es nicht "anlügt" - auch keine Notlügen. Wenn der Erwachsene aus dem Raum geht oder sich weiter vom Kind entfernt, wird das Kind immer darauf vorbereitet. Der Erwachsene schleicht sich niemals aus dem Raum. Vom Kind wird immer das Beste gedacht und die Konzentration auf das Gute gelegt. Dieser Aspekt berührt mich am meisten und ich sehe hier viele Verbindungen zu den Verheißungen des Wort Gottes. So wie wir uns darauf verlassen können, dass unser himmlischer Vater voller Vergebung und bedingungsloser Liebe für uns ist - selbst in unseren schwierigsten und dunkelsten Momenten - soll das Kind nie zweifeln müssen, dass es ernst genommen wird. Und dies mit allem, was seine Persönlichkeit ausmacht.
  • Die Grenzen des Erwachsenen werden klar kommuniziert in einfachen Worten: Ja, Nein, jetzt nicht. Die Bedürfnisse sowohl der Kinder als auch der Erwachsenen werden dadurch geachtet. Nicht jedes Verhalten wird zugelassen. "Ich sehe du bist verärgert. Aber ich kann dir nicht erlauben, mich mit den Füßen zu treten." In solchen Situationen hält der Erwachsene seine Hände deckend, um die Tritte abzufangen. Wenn das Kind mit Gegenständen schmeißen möchte, wird ihm z.B. ein weicher Ball als Alternative angeboten.
  • Körperbewusstsein wird durch freie Bewegungsentwicklung gefördert. Das Kind soll möglichst viele Dinge selbst entdecken können, ohne dass der Erwachsene eingreift. Dies gilt auch für die Bewegung - sitzen, krabbeln, stehen, gehen. Das Kind sollte die Möglichkeit bekommen, selbständig die Welt zu entdecken, aber gleichzeitig sich der Nähe und emotionalen Begleitung der Eltern sicher sein. Als Elternteil werde ich geschult im Beobachten und darf lernen, mich einfach einmal zurückzulehnen und dem Kind mein Zutrauen zu schenken. Das erleichtert viele Alltagssituationen.
  • Emotionen werden als etwas Positives betrachtet und entsprechend begleitet. Emotionen werden daher nicht vermieden. Das Weinen löst innere Spannungen und ist heilsam für das Kind. Die Nähe der Vertrauenspersonen ist dabei bedeutend. Selbst wenn sich das Kind wütend auf den Boden wirft und schreit bleibt der Erwachsene nahe und bietet dem Kind seine tröstenden Arme an, sobald das Kind dies wieder möchte. Wenn der "Sturm" vorüber ist, kann über die herausfordernde Situation je nach Alter des Kindes auch gesprochen werden und etwas "gelernt" werden. Niemals werden Tränen als etwas abgetan, das nicht sein müsste oder unangebracht ist. Dieser Aspekt hat mir im Alltag am meisten geholfen.
  • Pikler-Pädagogik impliziert immer auch Arbeit an sich selbst als Elternteil. Der Erwachsene hat eine Verantwortung. Da Kinder das Verhalten ihrer Vertrauenspersonen kopieren und emotionale Befindlichkeiten aufnehmen, schaut der Erwachsene auch immer auf sein eigenes Tun, seine Prägungen und Haltungen. Dazu gibt es zum SpielRaum ergänzend einen ElternRaum, in dem genau diese Arbeit an sich selbst einen Raum bekommen kann.

Falls du auch bereits Erfahrungen mit der Pikler-Pädagogik gemacht hast: was schätzt du am meisten daran? Ich freue mich über Austausch.

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