Frieden am Wickeltisch

Geschrieben am 24. November 2019 von johanna

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Spätestens ab dem Zeitpunkt, als unsere Tochter sich von selbst auf die Seite rollen konnte, wurde das Wickeln zu einer äußerst spannenden Angelegenheit. Sie begann sich mit ihrem Körper gegen den Vorgang zu wehren. Sobald ich ihre Windel öffnete strampelte sie wie wild und rollte ihren Körper so flink wie nur möglich hin und her, um auf den Bauch zu kommen. Das ganze wurde begleitet von Schrecken erregenden Schreien.

Wie sollte ich auf dieses Verhalten angemessen reagieren? Um zu vermeiden, dass der Inhalt der Windel überall verteilt wurde, musste ich sie in ihrer Bewegung natürlich begrenzen. Schnell griff ich nach ihrem Oberkörper und versuchte sie, so sanft wie möglich, festzuhalten. Es folgten Gekreische und noch schnellere, impulsivere Bewegungen von ihrer Seite. Meist endeten wir Beide in Tränen. Jedes Mal, wenn es Zeit wurde sie zu wickeln, seufzte ich einmal zehn Minuten lang, um mich dann zu überwinden das ganze Spektakel wieder zu erleben. Nach etwa zwei Wochen hörte diese schwierige Phase jedoch auf und das Wickeln wurde wieder etwas entspannter. Doch ich musste die kommenden Monate feststellen, dass sich das Ganze in unterschiedlichen Abständen wiederholte.

Von der Entwicklungspsychologie her wusste ich, dass Babys und Kleinkinder grundsätzlich mit ihren Vertrauenspersonen zusammenarbeiten wollen. Dies tun sie aber, indem sie das Verhalten komplett spiegeln. Wenn ich also auf das Verhalten meiner Tochter mit Aufregung und hektischen Bewegungen reagierte, verstärkte dies ihr Verhalten und sie wurde nur noch rascher und impulsiver. Zusammenarbeit brauchte ich in dieser Situation unbedingt. Aber wie sollte ich bei dem ganzen Geschrei und der schwierigen Situation einer vollen Windel ruhig bleiben?

„Friedenserziehung beginnt am Wickeltisch“, zitierte die Pikler Pädagogin unseres SpielRaumes ihre Kollegin Ute Strub. Ich hatte schon mehrmals von dieser Pädagogik nach der Kinderärztin Emmi Pikler gehört gehabt und mich online darüber informiert. Bald darauf bin ich mit meiner Tochter in einem solchen Pikler SpielRaum gelandet. Ich hatte von Anfang an das Gefühl dort ein Zuhause gefunden zu haben. Diese Aussage von Ute Strub, auf deren Einsatz die SpielRäume als Unterstützung für Eltern entstanden sind, berührte mich besonders. Sie wies damit hin, welche Bedeutung eine vorbereitete Umgebung sowie ein vorbereiteter Erwachsener für ein friedliches Miteinander beim Wickeln haben.

Seitdem ich versuche die Anregungen zum Wickeln nach der Pikler Pädagogik umzusetzen, ist die Wickelzeit sowohl für mich als auch für Malia viel angenehmer geworden. Das Wickeln ist tatsächlich zu einer Zeit geworden, die ich als schön empfinde und die meine Bindung mit Malia stärkt.

Die vorbereitete Umgebung sieht optimaler Weise so aus, dass der Wickelplatz ganz sicher gestaltet ist. Etwa mit einem Sprossengitter auf den Seiten, um dem Kind sichere Bewegung zu ermöglichen. Dem Erwachsenen nimmt dies den Stress, bei der kleinsten Bewegung des Kindes ein Runterfallen verhindern zu müssen. Wir selbst haben einen solchen Wickeltisch für unsere Tochter nicht mehr umgesetzt. Aber bei einem zukünftigen zweiten Baby, plane ich dies zu tun. Weiter ist es für mich auch wichtig, alles möglichst praktisch und ordentlich neben der Wickelunterlage aufbewahrt zu haben. 

Als Erwachsener vorbereitet zu sein bedeutet für mich innerlich mit Ruhe an die Tätigkeit zu gehen, durchzuatmen und sich bewusst zu sein: das Kind zeigt sein Verhalten nicht um einem absichtlich das Leben schwer zu machen, sondern aufgrund seiner Entwicklung sowie weiterer situationsbezogener Gründe. Für mich gehört außerdem das Gebet und Lobpreis zur Vorbereitung. Wenn mein Innerstes mit dem Wort Gottes genährt ist, bin ich ruhiger und habe mehr Geduld.

Letztendlich habe ich auch an dem Wickelvorgang selbst etwas verändert. Ich versuche meiner Tochter jeden Schritt der Tätigkeit zu erklären. Dadurch führe ich die Bewegungen automatisch langsamer aus. Selbst die volle Windel zeige ich ihr nun. Sie schaut sich jedes Mal den Inhalt erstaunt an und kommentiert „Pupu“ oder „Lulu“, unsere Worte für Stuhlgang und Harn. Ich erkläre ihr dann oft in einfachen Worten: „Unser Körper braucht Kraft, darum essen wir. Alles Essen und Trinken, das der Körper aber nicht benötigt kommt in Form von ‚Pupu‘ und ‚Lulu‘ wieder heraus.“ Malia nickt dann ganz ernst und gibt mir meist zu verstehen, dass ich die Windel nun weggeben kann. Auf diese Weise ist sie viel aktiver in den Prozess integriert und kann nun ein Stück mehr begreifen, warum die Windel mit der Zeit so schwer und nass wird.

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